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Kärntner Reindling

März 24, 2016

Bei mir zu Hause in Kärnten gibt es einige Ostertraditionen, die vor allem die Osterjause am Ostersamstag betreffen. Nach der Fleischweihe wird traditionell mit der Familie zusammen gegessen und die Kinder suchen die Ostereier, die der Hase versteckt hat.
Diese Osterjause ist vor allem im Süden Österreichs recht speziell. Durch die geografische Nähe zu Slowenien und Italien gab es viele Ab- und Zuwanderungen, mein eigener Familienname geht etwa auf slowenische Herkunft zurück. Dadurch sind auch sehr viele Gerichte entstanden, die aus dem Dreiländereck hervorgingen und der Verschmelzung der verschiedenen Küchen. Die traditionellen Kärntner Kasnudel sind etwa den italienischen Ravioli nachempfunden und der Reindling ist eigentlich eine Süßspeise aus Slowenien.

Der lustige Name leitet sich übrigens vom eigentlichen Backgefäß ab, einem Reindl – das ist eine runde, flache Schüssel in der man den Reindling bäckt. Die schönere Gugelhupfform ist eher eine moderne Erfindung, hat aber mit der klassischen Backform außer dem Runden recht wenig gemeinsam. Übrigens kommen in einen traditionellen Reindling keine Nüsse, lediglich Rosinen und Zimt. Würde man Nüsse dazugeben wäre es eine Nusspotize und kein Reindling mehr.
Das eigentlich süße Germgebäck isst man in Kärnten mit viel frisch geriebenem Krenn, Osterschinken, hartgekochten Eiern und grünen Würstl. Das mag im ersten Moment ein wenig gewöhnungsbedürftig klingen, aber die Kombination süß und sauer ist einfach unschlagbar und gehört für einen echten Kärntner einfach zur Osterjause dazu.

Das Rezept ist übrigens aus einem alten Kochbuch meiner Oma und daher auch sehr traditionell angelegt, dort gibt es auch nur ungefähre Mengenangaben und die Backzeit muss man selbst abschätzen. Allerdings habe ich es hier insofern ein wenig modifiziert, das man auf jeden Fall auch einen Reindling zustande bringt.
Reindling

Zutaten für den Teig:
• 500 g Mehl griffig
• 20 g frische Germ
• 60 g flüssige Butter
• ¼ l Milch (oder Hafermilch)
• 1 großes Ei oder 2 kleinere Eier
• 50 g Zucker
• Salz, Zimt, Anis

Für den Germteig müsst ihr als erstes ein sogenanntes Dampfl ansetzen. Dazu erwärmt man die Milch bis sie lauwarm ist und löst darin den Zucker auf, anschließend wird die Germ hineingebröckelt und verrührt. Mit einem sauberen Küchentuch abgedeckt anschließend ca. 20 Minuten gehen lassen. Man muss unbedingt darauf achten, dass die Milch wirklich nur lauwarm ist, da ansonsten die Hefezellen absterben können – ich halte dafür einfach den Finger hinein um zu sehen, ob es bereits zu heiß geworden ist. Sollte die Hefe zu heiß geworden sein oder bereits nicht mehr gut, merkt ihr es daran, dass die Masse nicht aufgeht. Ansonsten habt ihr am Ende der Gehzeit eine schaumig wirkende Masse.

Anschließend das Mehl mit der flüssigen Butter, dem Ei, dem aufgegangen Dampfl und den Gewürzen vermengen bis ein weicher Teig entsteht. Diesen Teig vorsichtig mit den durchkneten und anschließend in einer abgedeckten Schüssel an einem warmen Ort ca. 40 Minuten gehen lassen bis er sein Volumen verdoppelt hat. Entweder stellt ihr ihn dazu auf die Heizung oder wickelt ihn einfach in die Bettdecke, damit er es schön warm hat. Ich selbst praktiziere aufgrund meiner Fußbodenheizung den Bettdecken-Trick und er funktioniert jedes Mal 😉

Für die Füllung:
• 50 g flüssige Butter
• 100 g Zucker
• 2 EL Zimt
• 100 g Rosinen
• Rum

Für die Füllung nehmt ihr die Rosinen und gießt sie mit dem Rum auf, bis sie bedeckt sind. Anschließend kurz aufkochen und gut durchziehen lassen bis die Flüssigkeit aufgesaugt wurde. Ich mache hier gerne die doppelte Menge und bewahre den Rest in einem Schraubglas auf, so habe ich immer welche zur Hand wenn ich einen Apfelstrudel oder Kaiserschmarrn machen möchte.

Den Teig zu einem Rechteck ausrollen und großzügig mit der flüssigen Butter bestreichen. Anschließend die Zimt-Zuckermischung und die Rosinen darauf gleichmäßig verteilen. Das Rechteck wird von der langen Seit her aufgerollt und die Enden ein wenig eingeschlagen, damit nicht´s herausfällt. Die Rolle kommt in eine gebutterte und mit Zucker ausgestreute Form, der Zucker gibt im Anschluss eine schöne Karamellschicht auf dem Reindling.
Den Teig lässt man in der Form noch einmal ca. 30 Minuten an einem warmen Ort gehen bevor er bei 150°C Umluft in den Ofen wandert. Dort wird er ca. 45 Minuten lang gebacken, zum Ende der Backzeit auf jeden Fall kontrollieren. Sollte der Boden zu dunkel werden, einfach mit Alufolie abdecken.

Anschließend den heißen Reindling stürzen und überkühlen lassen, bevor er angeschnitten wird. Das Germgebäck hält sich übrigens locker über mehrere Tage frisch und schmeckt auf zum Frühstück mit ein wenig Nutella ausgezeichnet.
Reindling wird in Kärnten aber nicht nur an Ostern gegessen sondern eigentlich immer und ist sozusagen das National-Gebäck der Kärntner 😉

Reindling

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